TTC bei Olympia (Wolfgang Horsch)
Der TTC dabei in Seoul, Barcelona und New York!

Wolfgang Horsch - jeder, der es in den 80ern und 90ern mit dem TTC gehalten hat wird diesen Namen kennen. In Mönchengladbach teilweise als "Gladbachs erfolgreichster Sportler" zu dieser Zeit bekannt, nahm Horsch als Parasportler an insgesamt drei paralympischen Spielen teil - 1984 in New York, 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona. Hierbei konnte er sich insgesamt zwei goldene und eine bronzene Medaille erspielen, hinzu kommen viele weitere nationale und internationale Titel wie der zwölfmalige Gewinn des deutschen Einzelmeistertitels oder auch dem zweimaligen Weltmeistertitel im 2er-Team.

Wolfgang Horsch 1992 zum Ende seiner internationalen Karriere
Horsch schloss sich 1975 dem TTC Rheindahlen an und war seitdem bis zum Ende seiner Karriere ein stetiger Leistungsträger in der 1.Mannschaft. Als ausgebildeter Übungsleiter übernahm er 1975 das Jugendtraining und stellte sich in der Jahreshauptversammlung 1976 auch direkt als Jugendwart zur Verfügung. Dieses Amt übte er bis 1985 aus. Mit seinem großen Engagement und seiner Art und Weise bei Jugendlichen anzukommen leistete er eine überaus erfolgreiche Jugendarbeit. Unter seiner Tätigkeit entwickelte sich die größte und leistungsstärkste Jugendabteilung, über die der Verein bis zu diesem Zeitpunkt verfügt hatte.
Horsch, der erst 1968 und damit relativ spät mit dem professionellen Parasport begonnen hatte, konnte aber nicht nur als Trainer sein Können beweisen sondern erspielte sich auch selbst unzählige Titel und Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene.
Erfolge von Wolfgang Horsch
| Jahr | Titel |
|---|---|
| 1979 - 1983 | Deutscher Mannschaftsmeister mit der VSG Jülich |
| 1981 - 1987 | Deutscher Meister im Einzel |
| 1980, 1981, 1984-1988 | Deutscher Meister im Doppel |
| 1983 | Europameister im 2er Team |
| 1984 | Olympiasieger in New York im 2er Team |
| 1986 | Weltmeister in Pijon im 2er Team und ein 3. Platz im Einzel |
| 1987 | Europameister im 2er Team und ein 3. Platz im Einzel |
| 1987 und 1988 | Deutscher Mannschaftsmeister mit der BSG Düsseldorf |
| 1988 | Olympiasieger in Seoul im 2er Team und Bronze im Einzel |
| 1989 | Europameister im 2er Team |
| 1991 | Deutscher Meister im Einzel |
| 1992 | Bronze bei Olympia in Barcelona im 2er Team |
Im Rahmen des Endes der internationalen Karriere von Wolfgang Horsch führte unser Vereinsblättchen im Dezember 1992 (Ausgabe 22) ein Interview mit Horsch über seine Karriere :
Wolfgang, wir haben einmal Deinen sportlichen Werdegang skizziert. Welches Ereignis bleibt Dir besonders in Erinnerung?
WH: Sicherlich mein Aufenthalt in Barcelona vom 29. August bis 15. September dieses Jahres, verbunden mit der Bronze-Medaille im 2er-Team.
Warum nicht Deine Gold-Medaillen 1984 oder 1988?
WH: Die Anforderungen sind erheblich gestiegen. 1984 nahmen 29 Nationen teil, 1988 bereits 42 und 1992 ganze 86 Nationen. Man darf nicht vergessen, dass auch ich inzwischen nicht mehr jünger werde und schon 49 bin!
Wie qualifiziert man sich für die Paralympics?
WH: Gar nicht so einfach. Zunächst auf Bezirksebene mit 68 Spielern. Die fünf Besten kommen zur westdt. Meisterschaft, die besten 3–4 zur dt. Meisterschaft. Über ein Punktesystem, das auch internationale Erfolge berücksichtigt, gelangt man in den Olympiakader. Zudem müssen Lehrgänge vom Verband besucht werden.
Das klingt nach großem Zeitaufwand. Wie schaffst Du das mit Familie und Beruf?
WH: Ohne das Verständnis meiner Frau Ursula hätte ich das nie geschafft. Da sie selbst TT-Spielerin iwar zieht sie immer mit. Auch meinem Arbeitgeber, der Kabel Rheydt AG, danke ich für das Verständnis.
Musstest Du bei deinem Arbeitgeber für die Olympiateilnahmen unbezahlten Urlaub nehmen?
WH: Nein. Ich bin seit 1958 bei der Kabel Rheydt AG, habe als Bau- und Möbelschreiner angefangen, später eine Umschulung zum techn. Zeichner gemacht. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinen Vorgesetzten und Kollegen, welche meine sportlichen Aktivitäten unterstütz haben. Während der Teilnahme an Wettkämpfen wurden meine Bezüge weitergezahlt – das ist nicht selbstverständlich.
Wie bist Du mit Deiner Behinderung zum Tischtennissport gekommen?
WH: Mit zwei Jahren erkrankte ich an Masern, was zu einer Beinverkürzung führte. Eigentlich war ich begeisterter Fußballspieler, musste aber einsehen, dass ich das Laufpensum nicht schaffe. Mein Vater war Billardspieler – irgendwann haben wir Brüder dann ein Netz auf diesem aufgespannt, und so fing alles an.
Wie kamst Du zum TTC Rheindahlen?
WH: Etwa 1975. Ich suchte eine neue Herausforderung. Rheindahlen spielte in der 1. Kreisklasse, wurde mit mir dann aber bald Landesligist, was ich auch schon bei DJK Rheydt spielen durfte. Immerhin vier Jahre konnten wir diese Liga halten. Besonders gefiel mir aber auch die Geselligkeit und die Atmosphäre im Verein.
Weißt Du noch wer Deine damaligen Mannschaftskameraden waren?
WH: Natürlich, Manfred Fischelmanns, Helmut Geurtz, Helmut Schneider, Heinz Hugo, Günter Holz – später kamen Herbert Göbels, Hans Pohlen und Toni Behr dazu. Mit Toni spiele ich bis heute Doppel!
Du bist mit 49 Jahren nun einer der ältesten Spieler in der ersten Mannschaft – schon ans Aufhören gedacht?
WH: Noch lange nicht. Solange die Harmonie stimmt, habe ich Spaß. Und ich kann der Mannschaft auch spielerisch noch helfen. Im mittleren Paarkreuz stehe ich ausgeglichen.
VB: Du hast von drei Olympiaden geträumt – das hast Du geschafft. Was nun?
WH: International war Barcelona für mich das Ende. Jetzt möchte ich mehr Zeit für Familie und Hobbys – ich habe einen Zier- und Nutzgarten mit zwei Treibhäusern, und ich kegle gern.
VB: Wie war Barcelona? Erzähl uns doch auch hierrüber bitte etwas.
WH: Ein Erlebnis! Seoul war schon gut, aber Barcelona war absolute Spitze. Ich war mit meinem Mannschaftskameraden Manfred Knabe in einem schönen Appartement. 40 französische Köche sorgten für uns, alles kostenlos.
VB: Wer betreute Euch?
WH: Wir hatten einen Manager, der vier Sprachen sprach und das Rahmenprogramm organisierte. Dazu zwei Trainer, eine Physiotherapeutin und ein Arzt.
VB: Was hat Dich besonders beeindruckt?
WH: Die Eröffnungs- und Schlussfeier! Vor 70.000 Zuschauern, 10.000 Mitwirkenden – eine riesige Begeisterung. Ich habe rund 19 Stunden Videoaufnahmen gemacht. Besonders die Zuschauer waren beeindruckend: 12.000 in der TT-Arena, selbst bei Vorrunden 5.000. Eine Szene werde ich nie vergessen: Mein Partner Manfred Knabe riss sich im Endspiel den Muskel, woraufhin ein Gegner ihn dann im Rollstuhl eine Ehrenrunde durch die ganze Halle fuhr – das war bewegend.
VB: Was blieb Dir negativ in Erinnerung?
WH: Eigentlich nichts – nur die schwache Medienberichterstattung in Deutschland, zumindest was das Fernsehen anbelangt. Den Hörfunk muss ich hier ausnehmen. In Spanien war sogar der WDR bei mir, später war ich in Deutschland zu Gast bei Radio 90.1.
VB: Wie war der Empfang in Düsseldorf?
WH: Überwältigend! Wir kamen als zweitbeste Nation nach den USA zurück. Familie und Freunde empfingen uns mit Fahnen und Transparenten, die Nachbarschaft hatte die Straße geschmückt.
VB: Und die Politiker?
WH: In Spanien gab es einen Empfang in der deutschen Botschaft, und in Deutschland viele Glückwunschbriefe – auch vom Bundespräsidenten und dem Oberbürgermeister.
VB: Gibt es Auszeichnungen, auf die Du besonders stolz bist?
WH: 1983 erhielt ich von Bundespräsident Karl Carstens die Silbermedaille für besondere Verdienste im Sport – die wird nur einmal pro Person vergeben. Außerdem das Schöffensiegel der Stadt Giesenkirchen – das gibt’s seit dem 15. Jahrhundert.
*Das Interview ist hier in Auszügen wiedergegeben, das vollständige Interview finden Interessierte im Archiv-Bereich dieser Website in Vereinsblättchen Nr. 22 zum Nachlesen